Wann ich mich mit dem Modellbahn-Virus angesteckt habe, kann ich heute nicht mehr genau sagen. Das muss irgendwann passiert sein, kurz nachdem ich Lesen gelernt hatte. Eine Spurensuche zeigt mir, dass ich 1995 schon Mitglied im Kinder-Fanclub „1. FC Märklin“ war. Ich weiß aber noch ganz genau, wer Schuld hat: Ein gewisser Burkhardt Kiegeland mit seinem Buch „Modelleisenbahn“. Ich habe dieses Buch verschlungen, und war fortan besessen. Das Buch war aus dem Jahr 1975, aber an der grundsätzlichen Weise, wie man eine Modellbahn aufzieht, hat sich seitdem nicht viel geändert. Mein Exemplar ist schon lange völlig zerfleddert, aber ich schaue auch jetzt noch gerne rein. Meine Eltern haben mir dann irgendwann eine Märklin-Startpackung mit M-Gleisen und der 89 006 gekauft – und damit alles falsch gemacht. Nach Lektüre von Kiegeland wusste ich als kleiner Dötz schon sehr genau, was ich wollte. Eine Märklin-Bahn mit den Punktkontakten gehörte in jedem Fall nicht dazu. Schon gar nicht wollte ich die wenig vorbildgerechten M-Gleise. Durch meine geringe Taschengeld-Finanzkraft ist dieser Kardinalfehler allerdings nie korrigiert worden. Modellbahnerischer Sachverstand war bei meinen Eltern natürlich nicht wirklich vorhanden, denn sie kauften sozusagen weiter Dinge ein, die ich nicht haben wollte. Nämlich eine dicke Spanplatte von 208 x 110 cm, die dann auch alsbald anfing, unter ihrem Gewicht durchzuhängen. Natürlich war ich mit meiner Modellbahn nicht wirklich unglücklich. Der weitere Ausbau erfolgte mit Taschengeld und den diversen Geschenken, die nunmal so anfallen, wenn man jung ist. Auf dem Höhepunkt meiner ersten Modellbahnkarriere hatte ich ein zweigleisiges Oval mit einem Überholgleis und drei Abstellgleisen, fünf Loks über Delta-Control gesteuert, vier elektrische Weichen, einen bunten Intercity und einen ebenso bunten Güterzug.

Seit 1999 bekam die Modellbahn bei mir Konkurrenz durch den PC, der schon bald viel interessanter wurde. Im Sommer 2002, ich war 15 Jahre alt, fing ich an, meine Modellbahn zu verkaufen, um mir von dem Geld einen Laptop anzuschaffen. Behalten habe ich praktisch nur die Gebäude meiner alten Anlage, die ich seinerzeit als unverkäuflich erachtete. Teilweise werde ich sie jetzt in meine neue Anlage integrieren.