Zur Steuerung der Anlage verwende ich das Roco-Digitalsystem. Da ich schwerpunktmäßig mit dem Computer fahre brauche ich keine teure ausgewachsene Zentrale im Stile einer Intellibox oder so. Nebenbei – die Roco Multimaus ist ein wirklich gelungener Fahrregler. Und das Roco-System ist extrem günstig. Dies insbesondere dadurch, dass man für wenig Geld zusätzliche Booster selber bauen kann: Man kauft sich einfach bei eBay oder im SC99-Shop (hatte mal 10764er für 15 Euro) eine Zentrale 10764 und baut sie durch Einlöten einer Buchse zu einem 10765 um. Dazu muss man an der Seite die Plombierstifte ziehen, zum Beispiel indem man eine Gleisschraube hineindreht. Dann noch die Lötaugen freimachen und mit ruhiger Hand die Buchse einlöten. Meistens funktioniert das sehr gut. Ich hatte allerdings mal einen Umbau-Booster, bei dem die Kurzschlussabschaltung nicht zuverlässig funktionierte. Er schaltete nicht ab, und seine Endstufen gingen daher alsbald in Rauch auf.

Das Roco-System ist etwas unüblich gestrickt. Das ist der Grund, warum die Booster so günstig sind. Die „Zentrale“ 10764 ist eigentlich gar keine Zentrale, sondern eigentlich nur ein Booster. Einziger Unterschied zum 10765 ist die besagte Buchse. Der größte Teil der Intelligenz ist in der Multimaus implementiert. In dieser wird auch das DCC-Signal erzeugt. Roco verwendet als Bussystem das XpressNet von Lenz, hat aber auch dort wieder gespart: An das XpressNet könnten vom Prinzip her auch Rückmelder angeschlossen werden. Roco hat dies aber in der Multimaus (und auch in der älteren Lokmaus 2) nicht implementiert. Um die Roco-Rückmelder 10787 (im Gegensatz zu den Selbstbau-Boostern sind diese echt teuer) anschließen zu können, ist im Interface 10785 deshalb ein zweiter, rückmeldefähiger XpressNet-Bus enthalten.

Die Buchsen am 10785 sind meiner Meinung nach missverständlich beschriftet. Die Rückmelder müssen an „Bus out“ angeschlossen werden, das 10764 an „Bus in“. Von meinem Verständnis her kommen allerdings Meldungen von der Anlage „in“ das Gerät, und Computerbefehle gehen „out“. Tückisch ist: Man kann das 10764 an beiden Bussen anschließen, und der Computer kann fahren. Am falschen Bus funktionieren aber die Rückmelder nicht (die LEDs bleiben dunkel).

Wenn das mitgelieferte Kabel an den Roco-Rückmeldern einmal zu kurz sein sollte, dann kann man billig für Verlängerung sorgen: Die verwendeten Kabel sind technisch nichts aufregendes, sondern einfache 6p6c RJ12-Kabel, die man bei eBay zum Beispiel in 3 oder 6 Meter Länge bekommt.

Das Roco-System hat einen kleinen Fehler, der mir immer wieder mal unangenehm auffällt: Manchmal gibt die Multimaus den vom Computer gewünschten Abfahrbefehl nicht ans Gleis weiter. Der Zug bleibt dann trotz gestellter Fahrstraße stehen.Eine andere Spielart ist, dass ein Zug nur mit einer sehr geringen Geschwindigkeit auf die Reise geschickt wird – und diese Geschwindigkeit auch unabhängig von blockmäßig kommandierten Geschwindigkeitsänderungen beibehält. Immerhin reagiert er noch auf Haltbefehle des Computers. Beides soll in der nächsten Version von Roco-Digital behoben sein. Ende des Jahres soll die neue Multizentrale erscheinen. Sie soll Railcom können, und die Multimaus wurde auf Funk statt Kabel umgestellt. Alte Booster soll man weiter benutzen können. Leider wird die Multizentrale wohl ein Schweinegeld kosten…